Von einer Idee, über das seltsamste Telefonat zum Titel in der Ferne – Der STV in Schleswig-Holstein

Alles begann mit einer Idee, einer eigentlich logischen Konsequenz. Warum nicht mal ein Tischtennisspiel weiter weg? Im selben Jahr waren wir schon beim SV Eintracht Stapelburg in Sachsen-Anhalt gewesen und 2002 gab es mal ein Spiel in Mümling-Grumbach (Hessen). Freundschaftsspiele standen also hoch im Kurs, auch wenn die Vereine mehr in der Umgebung waren. So kam es dann in einem gutgelaunten Nachtrainingsgespräch zu der Aussage „Warum nicht mal an die Küste fahren?“ Das Jahr war bereits weit fortgeschritten, doch die Idee war im Kopf und bei der Überlegung zu Aktivitäten im Jahr 2026 kam sie wieder hervor. „Mal an die Küste“ ist etwas schwammig aber Karl-Heinz „Kalle“ Gimmler überzeugte Abteilungsleiter Sven Hoppstock von der Idee. Es wurde in der Abteilung gefragt, ob Interesse besteht und als klar wurde, das könnte was werden, da wurde sich zusammengesetzt und Details besprochen. Wichtigstes Detail: Wohin? Diese Frage war erstmal offen und so suchte Kalle nach Vereinen. Er fand auf einer Vereinshomepage ein Foto von einem sympathischen Abteilungsleiter und so kam der Verein auf Platz eins der Anfragen. Mit dieser Vorgeschichte kam es dann am 27. Januar zu dem Zitat „Seltsamsten Telefonat“ vom Wiker SV Abteilungsleiter Christian Ziegler. Ein Anruf passenderweise als er in der Sporthalle beim Tischtennis war. „Wir würden gerne gegen euch ein Freundschaftsspiel veranstalten“ und nach einem kurzen Gespräch, kam ein typisch norddeutsches knappes „Okay machen wir“ und die Zusage in wenigen Minuten. Dass dies nicht nur so daher gesagt war, bestätigte sich in den nächsten Tagen. Termin und kurze Details wurden geklärt und der STV trommelte eine Mannschaft zusammen. Die ursprüngliche Idee einer Vierermannschaft wurde dann in eine Sechsermannschaft umgemünzt und Kalle kümmerte sich um die Unterkunft.

Dann war es soweit: Mit zwei Autos starteten, am 28.August 2026, sieben Spieler des STV die Reise nach Kiel. Sportlich passend ging es ins „Athletik Hotel“ und nach einer Stärkung, mit unter anderem Fitnesstellern, ging es dann in den Kieler Stadtteil Wik zur Sporthalle am Sonderburger Platz. So standen sich ein knappes halbes Jahr später nach dem seltsamen Telefonat zwei Vereine gegenüber, die wahrscheinlich noch nie etwas zuvor voneinander gehört hatten.

Als „Das ungewöhnlichste Spiel des Vereins“ bezeichnete Christian Ziegler das Aufeinandertreffen in seiner Anfangsrede. Kalle war als Schöpfer der Idee Mannschaftführer des Vereins und bedankte sich für das Gelingen und nach einem Wimpeltausch ging es dann los. Der Wiker SV war anders als der STV Ringelheim breiter aufgestellt und so wirbelten im oberen Paarkreuz ein Landesligaspieler und ein Bezirksklassenspieler herum, während die restlichen Spieler, wie der STV, Kreisklassenspieler stellten. Ungewohnt bei dem Spiel war eine Punktevorgabe in den Sätzen um die Spielstärken etwas anzupassen. QTTR-Punkte schwächere Spieler bekamen in den Sätzen Startpunkte. Dennoch war der Start in der Ringelheim Paradedisziplin Doppel ernüchternd. Alle Doppel gingen an den Gastgeber und der STV lag schnell 0:3 hinten. In den nächsten drei Einzel gelang aber das Historische. Der erste Punkt des STV in Schleswig-Holstein. Erst gewann Daniel Nemet sein Einzel, ehe Sven Hoppstock den zweiten Punkt holte. Weitere Erfolge blieben in den anderen Einzeln aus. Doch die Spiele gestalteten sich knapp. Günther Keune musste sich zum Beispiel erst im Entscheidungssatz geschlagen geben. Erst im mittleren Paarkeuz konnte der STV wieder jubeln. Christian Zyzik und Daniel Nemet holten jeweils ihre Einzel und gewannen somit zumindest ein Paarkreuz für den STV. Die anderen Einzel waren spannend aber ein weiterer Punkt sollte nicht gelingen. So stand es am Ende 4:11 für den Wiker SV. Dennoch hatte der Ersteindruck des Fotos nicht getäuscht, denn nicht nur das Bild war sympathisch, sondern auch alle Spieler. Denn trotz der etwas weiteren Entfernung verband alle die Leidenschaft zum Tischtennissport und so kam man gleich ins Gespräch.

Das Ganze wäre bei diesem schönen Abend geblieben, wäre da nicht noch ein Angebot gewesen. Denn etwas überraschend lud der Wiker SV die Spieler zu deren Vereinsmeisterschaften am nächsten Tag ein. Es hieß somit also am nächsten Tag um 10:00 Uhr wieder sportliche Höchstleistungen zeigen. Auch diese Meisterschaften wurden im Vorgabesystem gespielt. Der Wiker SV war auf dem Papier stark besetzt und bot mehrere Landesligaspieler auf, doch dafür hatten die Spieler des STV mehr Erfahrung. Zuerst wurde in Gruppen gespielt und anschließend ging es dann im K.O.-Modus weiter. Es zeigte sich, der STV konnte nicht nur mithalten, sondern immer wieder gingen Gruppenspiele an Spieler des STV. Die beeindruckendste Leistung war sicherlich der Gruppensieg von Günter Hoppstock, er setzte sich dort unter anderem gegen den Landesligaspieler Timo Hackbarth durch. Auch Günther Keune zog als Gruppenzweiter in die Hauptrunde ein. In Gruppe vier wurde es dann kurios, gleich beide STV-Spieler gewannen gegen den Gruppenkopf aber verloren gegen den Kreisklassenspieler Mohab Abdelwanis. Im entscheiden Spiel mussten sie somit gegeneinander spielen um einen Platz im Hauptfeld, hier setzte sich knapp Sven Hoppstock gegen Daniel Nemet durch. Nach den Gruppenspielen gab es dann erstmal Buffet und eine kleine Pause. Der Wiker SV zeigte sich von seiner besten Gastgeberseite und versorgte die Spieler, für die anstehenden Spiele. Es ging im Doppel weiter und hier war Fortuna definitiv auf Ringelheimer Seite. Jedem STV Spieler wurde ein Spieler vom Wiker SV zugelost und was das für Auswirkungen hatte konnte man dann nach den ersten Runden im K.O.-Modus im Halbfinale sehen. Vier Doppelpaarungen, alle mit STV-Beteiligung bedeuteten eine Sicherheit. Der STV nimmt einen Titel mit nach Haus. In sehenswerten Spielen setzten sich Daniel und Laura sowie Günter und Jörg im Entscheidungssatz durch. Etwas ungewöhnlich, erfolgte anschließend direkt das Doppelfinale. Als Daniel und Laura im ersten Satz bei einer 8:2-Führung schon wie der erste Satzgewinner ausschaute, holten Günter und Jörg auf und drehten tatsächlich noch den Satz. Angespornt von dem Auftakt gab es kein Halten mehr und die beiden spielten sich in einen Rausch. Am Ende stand mit dem 3:0 fest. Der Wiker SV hat einen Doppelvereinsmeister aus Ringelheim. Ein Titel der mit kurios noch untertrieben wäre.

In den Einzeln gab es dann ein bekanntes Duell beim STV. Vater gegen Sohn. Günter Hoppstock durfte im Viertelfinale gegen Sven Hoppstock ran. Doch auch der gerade errungene Titelgewinn schaffte nicht die Trendwende. Es blieb für Günter beim Viertelfinaleinzug und einem Titel. Günther Keune musste dann leider auch Marcel den Vortritt lassen und strich auch im Viertelfinale die Segel. Besser verlief es in der sogenannten Trostrunde, dort gelang Bodo Hoffmann der Halbfinaleinzug mit einem 3:0 Sieg. Die Halbfinalspiele fanden alle parallel statt und sofort war klar beim Spiel Timo gegen Jason: Hier entscheiden sich die Vereinsmeisterschaften. Die beiden Landesligaspieler schenkten sich nichts und es war das wahrscheinlich spielerisch hochwertigste Spiel des Tages. Mit einem 3:2 Sieg zog Timo ins Finale ein. Bodo konnte an seine starke Leistung aus dem Viertelfinale nur teilweise anknüpfen und musste sich Laura geschlagen geben. Sven und Marcel legten dann anschließend noch eine Extraschicht ein. Im Duell um den mutmaßlichen Vizemeister spielten sie noch, als alle anderen schon fertig waren. Trotz 2:0 Satzführung von Sven sah es anschließend nach einer furiosen Aufholjagd von Marcel aus. Angriff gegen Abwehr kennen die STVler bereits ausführlich und auch hier zeigte sich zum Ende der Spruch „Angriff holte Punkte, Verteidigung die Spiele“. Im Entscheidungssatz wurden die Angriffe schwächer und der Abnutzungskampf schlug durch und so zog Sven überraschend und mit viel Losglück ins Finale der Vereinsmeisterschaften ein. Dort zeigte sich dann aber, dass Timo nicht nur auf dem Papier ein paar Klassen höher spielte, sondern auch exzellentes Tischtennis spielte. Chancenlos aber mit ein paar schönen Punkte konnte Sven ihm nichts entgegensetzen. Völlig verdient ging der Titel an Timo. Davor hatte sich Laura gegen Abteilungsleiter Christian Ziegler durchgesetzt und gewann zum dritten Mal in Folge die Trostrunde. Durch den Sieg gab es einen dritten Platz für Bodo Hoffmann. So endeten diese Vereinsmeisterschaften die wahrscheinlich in beiden Vereinschroniken einen Sonderplatz bekommen werden, mit einem Titel und zwei Vizemeistertiteln für den STV.

Anschließend ging es dann erschöpft aber glücklich noch in die Kieler Innenstadt, erst am Hafen dann durch die Innenstadt, ehe man sich in der Mango-Bar das wohlverdiente Abschlussessen genehmigte. Tagsdrauf ging es dann zurück in die Heimat von einem der seltsamsten Tischtenniserlebnisse des STV.

 

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